Storicamente. Laboratorio di storia

Studi e ricerche

Hexenforschung und Landesgeschichte Eine vorläufige Bilanz mit besonderer Berücksichtigung der Tiroler Hexenforschung

Einleitende Überlegungen: Hexenforschung zwischen populärem Interesse und Vermarktung

Die Geschichte der europäischen wie auch der transkontinentalen Hexenverfolgungen gehört ohne Zweifel zu jenen historischen Themen, die seit den 1960er Jahren ungebrochen große Aufmerksamkeit innerhalb wie außerhalb der mit ihrer Erforschung befassten Wissenschaften erfährt. Triebkräfte für dieses neu entfachte Interesse entfalteten sich in der Frauen- und Studentenbewegung, in der Auseinandersetzung mit dem Justizunrecht der NS-Diktatur sowie allgemein durch die Beschäftigung mit Menschenrechts- und Toleranzfragen. Nicht wenig haben auch die Anhänger von Esoterik und Okkultismus zur erwachten Neugier an den historischen Hexenverfolgungen beigetragen[1].
Dabei wird gerade das populäre Interesse meist von einer unverhohlenen Faszination durch das okkulte Thema geleitet, die sich inzwischen mancherorts auch der Fremdenverkehr zunutze macht; so ist beispielsweise der „Hexentourismus“ auf dem Brocken im Harz schon längst an die Grenzen des Erträglichen gelangt. Bei der Suche nach der folkloristischen Nutzung der berüchtigten „Schlernhexen“ (gemeint sind die 1506 und 1510 geführten Hexereiverfahren in Völs, denen mindestens sieben Frauen zum Opfer fielen[2]) ließen sich im Internet allein über 1.000 Betreffe finden, darunter auch so zweifelhafte Angebote wie „Familienurlaub mit den Schlernhexen“, ein Vorschlag, der nicht nur Menschen des 16. Jahrhunderts zum Schaudern gebracht hätte.
Die Flut an Publikationen, welche zu diesem provozierenden Sujet sowohl seitens der Wissenschaft als auch in pseudo-wissenschaftlicher Literatur erschienen ist, bleibt jedoch selbst für Spezialisten kaum zu bewältigen. Gerade für den so genannten Laien wird die Erfassung der relevanten Literatur zusätzlich erschwert, weil aufgrund des kommerziellen Interesses immer wieder längst überholte ›Hexenliteratur‹ in Nachdrucken auf den Markt kommt. Die von der Südtiroler Zeitschrift für Landeskunde «Der Schlern» ins Leben gerufene kleine Hexe Lorit, welche Kindern die Geschichte ihrer Heimat nahe bringen soll, dient in diesem Kontext wohl eher didaktischen Zwecken.
Schaut man sich dagegen in den Buchhandlungen um, dann fehlt es nicht an Romanen, in denen „Hexen“ und „Zauberer“ im Mittelpunkt stehen; angefangen bei Bibbi Blocksberg, bis zum Mega-Erfolg der Harry Potter-Geschichten oder dem englischen Zaubererduo „Jonathan Strange und Mr Norrell“, ganz zu schweigen von den mit Hexen und Hexenmeistern bevölkerten Fantasy-Welten. Selbst so genannte „Historische Romane“ bedienen eher das populäre Interesse am Thema, gern (und falsch) bebildert mit historisierenden Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert. Gleichwohl werden geschulte Leser schon bei einem flüchtigen Blick auf die Klappentexte rasch bemerken, dass die Plots dieser Phantasiewelten oft sehr ähnlich bleiben, dass die dort geschilderten simplen, schwarz-weiß gezeichneten Geschichtchen wenig mit den tatsächlichen Vorgängen während der schweren Zeit der Hexenverfolgungenzu tun haben. Vielmehr transportieren sie unbekümmert das lieb gewonnene Klischee von einer im Mittelalter (!) von der Inquisition (!) organisierten Hexenverfolgung, im Zuge derer Millionen Frauen (!) wegen ihres heilkundlichen Wissens (!) vernichtet worden seien. Gelegentlich wird auch behauptet, es habe tatsächlich einen real existierenden, archaisch-heidnischen Hexenkult um einen gehörnten Gott gegeben, einen Kult, der die Christianisierung überlebt und erst in den frühneuzeitlichen Jahrhunderten ausgetilgt worden sei[3]. Selbst in harmlos daherkommenden CD-Booklets kann man unvermutet die Mär von den „weisen Frauen“ nachlesen[4].

Zur Korrektur von Klischees: Die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen im europäischen Vergleich (mit Bezug auf Tirol)

Dieses unkritisch-naive Geschichtsbild wird durch Film und Fernsehen oft brav weiter getragen und verfestigt. Und so setzt man wiederum jenen verhängnisvollen Mechanismus in Gang, wonach einfache Stereotypen eine Art von dogmatischem Halbwissen erzeugen und bestätigen, welches sich einem differenzierenden Hinzulernen gegenüber als äußerst resistent erweist. Dagegen bleibt – immer wieder und nachdrücklich – festzuhalten: Massenhafte Hexenverfolgungen fanden nicht im Mittelalter, sondern, nach einem ersten Höhepunkt zum Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts, etwa zwischen 1560 und 1650 statt, wobei es allerdings auch hier zu chronologischen Verschiebungen in den einzelnen europäischen Regionen kommen konnte. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sind noch vereinzelte Prozesse feststellbar. Wurden die Verfahren um 1500 noch meist – jedoch nicht allein, wie bereits die Völser Ereignisse zeigen – von kirchlichen Inquisitoren eingeleitet, brachte man in der Hochphase die angeblichen Hexen und Hexenmeister meist vor weltliche Gerichte. Hier wurden nach den Maßstäben der Zeit ordentliche Verfahren geführt gegen jene, denen man nachsagte, sie hätten einen Pakt mit dem Satan geschlossen, um mit ihm zusammen Gottes Schöpfung zu vernichten. Die Römische (Päpstliche), Spanische und Portugiesische, jeweils autonomen Inquisitionsbehörden hatten allerdings nur wenig mit den konkreten Hexenjagden zum Ende des 16. und im Laufe des 17. Jahrhunderts zu tun. In Portugal und Spanien überwachte sie dafür intensiv die Rechtgläubigkeit von Conversos (zum Christentum konvertierte Juden) und Moriskos (zum Christentum konvertierte Muslime) bzw. verfolgte diese der Ketzerei stets verdächtigten Gruppen. Jedoch muss einerseits die Teufels- und Hexenfurcht als eine Kopfgeburt bezeichnet werden, die in theologischen Schriften von gelehrten Männern der Kirche ausgebrütet worden war, andererseits gehörten zu den schärfsten Gegnern des Hexenglaubens und den daraus resultierenden Verfolgungen gerade auch Theologen, von denen einige – wie die Jesuitenpater Adam Tanner († 1632) und Paul Laymann († 1635), Don Girolamo Tartarotti († 1761) oder Don Ferdinand Sterzinger († 1786) - aus Tirol stammten oder dort – wie der Brixener Bischof Georg Golser († 1488) – gewirkt hatten[5].
Oft genug waren es Familienangehörige und Nachbarn, welche Hexereibeschuldigungen gegen die eigenen Ehepartner, Kinder und Verwandten vorbrachten und mit Nachdruck von den Obrigkeiten forderten, gegen die „bösen Leute“ vorzugehen; denn man glaubte sie schuldig an schlechten Ernten, Mensch- und Viehsterben. Nicht selten beteiligte sich die Bevölkerung aktiv an dem Aufspüren vermeintlicher Hexen. Dort wo die Gerichte sich weigerten, den Verdächtigungen nachzugehen, konnte es auch zu Lynchjustiz kommen. Jedoch bedurfte es immer der aktiven obrigkeitlichen Unterstützung, um die Hexenjagden voranzutreiben. Amtleute, Hochgerichts- und Landesherren haben mancherorts das Verfolgungsdrängen der Bevölkerung nicht nur unterstützt, sondern aktiv gefördert und nicht selten auch Hexenprozesse aus politischem Kalkül inszeniert. Die frühneuzeitliche Hexenjagd, welche europaweit ca. 60.000 Opfer forderte, war somit eine von gelehrten Brandstiftern aus allen konfessionellen Lagern wie von Juristen legitimierte, von der Bevölkerung vorangetriebene, von den obrigkeitlichen Gerichten geförderte und von vielen Interessengruppen zum eigenen Vorteil genutzte Aktion, welche zu Recht als „eine der schlimmsten von Menschenhand angerichteten Katastrophen der europäischen Geschichte“ (Behringer / Jerouschek) bezeichnet wird.
Insgesamt bieten die europäischen Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit jedoch ein je nach Region äußerst facetten- und variantenreiches Bild. Es gab keine große, zusammenhängende Verfolgung auf dem Kontinent über den gesamten Zeitraum hinweg; für die einzelnen, auf einen Ort oder ein Gericht beschränkten, nicht selten endemisch auftretenden, sich oft aber auch epidemisch ausbreitenden Hexenpaniken ist immer eine Vielzahl verschiedener Ursachen (Faktorenbündel oder -cluster) verantwortlich. Nicht jede Hungerkrise oder jedes Hagelunwetter führte zu Hexenprozessen, bei weitem nicht aus jedem Zaubereiverdacht entwickelte sich eine gerichtsrelevante Anklage wegen Hexerei; nicht jede Anklage wegen Schadenzauber unterstellte auch den Teufelspakt, nicht jedes Hexereiverfahren endete mit einem Todesurteil, und nicht jeder Zaubereiprozess zog automatisch andere Verfahren nach sich.
Ganz sicher aber gehörten das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, seine Grenzregionen sowie seine Nachbargebiete (Luxemburg, Lothringen, Elsass, Burgund, Franche-Comté, Schweiz, Savoyen, Piemont) zu den Kerngebieten der Hexenverfolgung, wobei es im europäischen Kontext auch von Territorium zu Territorium, von Herrschaft zu Herrschaft große Unterschiede geben konnte. Während im calvinistischen Schottland oder im lutherischen Mecklenburg, in den Kurstaaten Trier, Köln und Mainz oder in den fränkischen Hochstiften die Hinrichtungszahlen in die tausende gingen, gab es merklich weniger Verfahren in straff verwalteten Territorialstaaten wie Kursachsen, Bayern, Württemberg oder im Königreich Frankreich oder wurden überhaupt keine Prozesse durchgeführt wie in der Kurpfalz. In den herrschaftlich zersplitterten Regionen im Westen und im Süden des Reiches ebenso wie in den kleinräumig organisierten Talschaften und Kantonen der Schweizer Eidgenossenschaft hingegen waren ebenfalls Tausende Opfer zu beklagen. Auch das Tiroler Land wurde früh von den Hexenjagden heimgesucht[6].
Wie ein Artikel in der Anfang 2006 erschienenen „Encyclopedia of Witchcraft. The Western Tradition“ – einer von Experten aus aller Welt erstmals zusammengestellten Gesamtschau – konstatierte, gehörte die Grafschaft Tirol mit ihrer „ethnic, social, and political diversity“ jedoch nicht zu den verfolgungsintensiven Gebieten[7]. Zwar beklagte der Autor grundsätzlich das Fehlen einer neueren Studie zu den Hexenverfolgungen in Tirol[8], er zählte aber – anfangend mit dem ersten nachweisbaren Zaubereiprozess im Jahr 1296, über die Hochphase der Hexereiverfahren zwischen 1580 und 1640 bis zu dem letzten, isoliert stehenden Prozess im Jahr 1728 insgesamt 72 Verfahren mit um die 200 Angeklagten. In seiner 2005 abgeschlossenen und 2006 bereits publizierten Dissertation, die sich auf akribische Archivrecherchen stützte, ermittelte Hansjörg Rabanser für Tirol die Zahl von 242 Prozessen (zwischen 1296 und 1786) mit insgesamt 420 involvierten Personen, die wegen verbotener Magie, Zauberei und Hexerei vor Gericht standen[9]. In den Hochstiften Brixen und Trient scheint dabei die Verfahrenshäufigkeit höher gelegen zu haben; Auswirkungen der Salzburger Zauberer-Jackl-Verfolgungen (1675-1679)reichten auch bis nach Südtirol. Nicht alle Prozesse endeten jedoch mit einem Todesurteil, denn der Verfolgungseifer der Bevölkerung und der lokalen Amtsvertreter wurde durch die regulierende Haltung der Innsbrucker Regierung gebremst[10]. In seinem Überblicksartikel zu den Verfolgungen auf italienischem Boden konstatierte Oscar di Simplicio gleichwohl, dass die Alpenregionen als die Brutstätten der peninsularen Hexenjagden zu gelten haben. Im Gegensatz aber zu den einschlägigen Vorkommnissen in italienischen Stadtstaaten, im Einflussgebiet der Römischen Inquisition oder im Königreich Neapel betrafen die Verfolgungen in den Alpentälern – und mithin auch in Tirol – vermehrt Männer; der Vorwurf des Wetterzaubers besaß neben den klassischen Schadenzaubervorwürfen schon bei den ersten Verfahren Bedeutung[11]. Di Simplicios Feststellung, Heiler seien kaum von den Verfahren betroffen worden, kann allerdings kaum zugestimmt werden, denn unter den Tiroler Verfolgten gibt es eine Reihe von männlichen Wahrsagern und kleinmagischen Experten[12]. Gerade in Tirol lebten überdies manche der hingerichteten, vermeintlichen Hexen und Zauberer weiter in der Sagenwelt wie die so genannten Schlernhexen, der Kachler Hans, die Lombarda, der Pfeifer Huisele, der Lauterfresser - oder sie wurden, wie die Pachlerzottl, erst im 20. Jahrhundert zu Figuren einer lokalen Erzähltradition. Diese Präsenz beförderte nicht zuletzt auch ihre folkloristische Vermarktung[13].
In dieser kommerziell-medialen Vermarktung, welche nicht nach vielschichtigen Deutungsmustern fragt und ein bedenkliches populäres Hexenbild verbreitet, liegt sicher auch ein Grund, warum die hier nur äußerst knapp umrissenen Erkenntnisse der landes- respektive regionalgeschichtlich geprägten Hexenforschung nur langsam in der interessierten Öffentlichkeit bekannt werden, dagegen aber die eingangs benannten alten Klischees zäh weiterleben. Ein anderer Grund liegt aber sicher in der fehlenden Kenntnis darüber, in welchen historischen Kontexten die einzelnen Deutungsmuster der Hexenhistoriographie entstanden, wie sie weiter getragen, rezipiert und zu immer neuen Vexierbildern zusammengesetzt worden sind. Im Folgenden soll deshalb in angemessener Kürze eine Tour d’Horizon gewagt werden, um die wichtigsten Stationen der allgemeinen Hexenforschung und die Rolle aufzuzeigen, welche speziell die Landes- und Regionalgeschichte (mit stetigem Blick auf die Tiroler Forschungen) bei der Ausarbeitung neuer Paradigmen spielte.

Eine kurze Tour d’Horizon durch die Historiographie der Hexenforschung (18. Jh. bis nach 1945, mit Bezug auf Tirol)

Die Vorstellung, Hexenverfolgungen seien von der katholischen Kirche angezettelt worden, wurzelt – verkürzt gesprochen - in der protestantisch geprägten Aufklärung[14]. Kein Geringerer als der Jurist Christian Thomasius († 1728) bestritt Anfang des 18. Jahrhunderts vehement die materielle Realität des Hexereiverbrechens und behauptete, die „Fabel von dem Laster der Zauberey“ und die Verfolgungen wurzelten letztendlich in einer „Tyranney des Pabsts“[15], ja, die „päbstliche clerisei“ und ihre „scribenten“ pflegten ihre verfolgungsfördernden Schriften zu füllen mit den „theils mit alten Weiber und Mönchs-Fratzen, theils melancholischer Leute, theils mit ausgefolterten und ausgemarterten Aussagen“[16]. Die berüchtigte Schrift Malleus maleficarum (Hexenhammer), die der Dominikaner Heinrich Institoris († 1505) nicht zuletzt zur theoretischen Legitimierung jener von ihm in Innsbruck 1485 angezettelten, jedoch an der Klarsichtigkeit des Brixener Bischofs Georg Golsergescheiterten Hexenverfolgungen verfasst hatte, verwarf Thomasius im übrigen als verwirrt, ignorant und widersprüchlich[17]. In ihrem Bemühen, die Hexenverfolgungen als ‚papistische Untat‚ darzustellen, schossen manche der Aufklärung zugeneigte Gelehrte allerdings nicht wenig über das Ziel hinaus. So wollte der Quedlinburger Stadtsyndikus Gottfried Christian Voigt († 1791) in einer abenteuerlichen Hochrechnung – ausgehend von einigen Hexenprozessakten, die er im städtischen Archiv fand – für den völlig willkürlich festgelegten Zeitraum von elf Jahrhunderten „Hexenverfolgungen“ bis in seine Zeit mit insgesamt 9.442.994 Hinrichtungen „ermittelt“ haben[18].
Das in der Aufklärung geprägte Deutungsmuster, nach dem die Hexerei ein von Theologen und Juristen erfundenes Delikt ohne jeden Realitätsgehalt, eben ein Wahn, gewesen sei – speziell für das Unrecht der Hexenprozesse, publizistisch festgemacht an der Hinrichtung von Anna Göldi 1782 im schweizerischen Kanton Glarus, ist damals der Begriff des Justizmordes gefunden worden[19] -, griff besonders der lutherische Geistliche Wilhelm Gottlieb Soldan († 1869) auf mit seiner 1843 fertig gestellten „Geschichte der Hexenprozesse. Aus den Quellen dargestellt“. Dieses, in undurchsichtigen Überarbeitungen bis heute immer wieder nachgedruckte Kompendium, wurde nationenübergreifend rezipiert; sein Erklärungsansatz wurde von der nachfolgenden Hexenforschung (William Monter) als so genanntes „rationalistisches“ oder „Soldan-Paradigma“ bezeichnet[20].
Nahezu gleichzeitig wurde aber im intellektuellen Dunstkreis der Romantik Anfang des 19. Jahrhunderts ein diametral entgegengesetztes Deutungsmuster der historischen Hexenverfolgungen entwickelt. Einem postulierten „Volksgeist“ auf der Spur, suchten Jakob Grimm († 1863) und sein Freund, der französische Nationalhistoriker Jules Michelet († 1874), nach Zeugnissen einer volkstümlichen, vorchristlichen Vergangenheit; dabei gingen sie von der materiellen Existenz der Hexen aus. Grimm wollte in ihnen Priesterinnen einer wahrhaft germanischen Religion sehen, Michelet machte aus ihnen heidnische, mit uralten Heilkünsten ausgestattete Ärztinnen des einfachen Volkes. Übereinstimmend waren sie der Ansicht, diese „Hexen“, diese Trägerinnen einer untergegangenen archaischen Kultur, seien unbarmherzig von der christlichen 'Männer-Kirche' verfolgt worden. Leider beruhten diese vermeintlichen „Erkenntnisse“ weniger auf exaktem Quellenstudium, als vielmehr auf intuitiver Geschichtsschreibung. Dieser Erklärungsansatz ging in die Wissenschaftsgeschichte als „romantisches Paradigma“ ein[21].
In den Fußtapfen Grimms sollten in den kommenden Jahrzehnten viele regionale Sagensammler und Volkskundler die Hexenprozessakten als Zeugnisse einer versunkenen Welt benutzen. Zu nennen ist hier – neben dem in Vorarlberg tätigen Franz Josef Vonbun († 1870)[22] - auch Ignaz Zingerle († 1892), der eine Studie zu den Aufsehen erregenden Südtiroler Verfahren gegen die Sarnthaler Hexe Barbara Pachlerin und gegen Matthias Perger publizierte, wo er bekannte Sagenmotive zu finden glaubte[23]. Ganz im Sinne Grimms behauptete er: „In vielen Hexen stecken verkappte heidnische Priesterinnen“[24].
Das rationalistische und das romantische Deutungsmuster existierten durchaus nebeneinander, manchmal konnten auch einzelne Elemente miteinander verknüpft werden[25]. Allerdings wurde im 19. Jahrhundert das schillernde Hexenthema in der Regel nicht von professionellen Universitätsgelehrten – bei ihnen stand die „große“ politische ‚Männer’-Geschichte im Dienst des Nationalstaates an erster Stelle[26] –, als vielmehr von Lehrern, Pfarrern, Privatgelehrten oder Archivaren mit klarem heimat- und regionalgeschichtlichen Bezug bearbeitet, wie beispielsweise von dem katholischen Seelsorger Ludwig Rapp († 1910), dem in seiner Abhandlung eine erste Gesamtschau der einschlägigen Tiroler Vorgänge gelang, wobei er unter direktem Bezug auf Soldan klar dem rationalistischen Paradigma verpflichtet blieb[27]. Rapp war es vor allem darum zu tun, die früh greifbare Gegnerschaft von aus dem Tiroler Land stammenden Gelehrten, Juristen wie Theologen, gegen den so genannten Hexenwahn aufzuzeigen. Er war es auch, der als erster die Urgichten der Völser Hexenprozesse aus den Jahren 1506 und 1510 edierte[28]. Genannt werden müssen in diesem Kontext ebenfalls die Arbeiten des Brixener Chorherren und Hochstiftsarchivars Hartmann Ammann († 1930) über den Innsbrucker Hexenprozess des Jahres 1485 sowie zu den Brixener Verfolgungen zwischen 1548 und 1605.
Die frühen volkskundlichen und lokalgeschichtlichen Arbeiten von Zingerle und Rapp wurden im Übrigen weit über die Grenzen ihrer Heimat hinaus rezipiert. So zum Beispiel exzerpierte der berühmte amerikanische Historiker Charles Henry Lea († 1909) – bekannt für seine Forschungen zur Ketzerinquisition - lange Passagen aus deren Werken für eine zu schreibende – aber nie fertig gestellte – Gesamtdarstellung der europäischen Hexenverfolgungen[29].
Im Gegensatz zu den kulturkämpferisch geprägten Auseinandersetzungen auf dem Feld der „Hexenforschung“ im zweiten deutschen Kaiserreich[30], kam es in der konfessionell homogeneren Habsburgischen Monarchie und in den ihr angeschlossenen Ländern nicht zu jenen pseudo-wissenschaftlichen Grabenkämpfen, in denen die protestantische Mär von der Hexenverfolgung als papistischer Untat und der 9.000.000-Opfer-Mythos instrumentalisiert wurden, um die katholische Kirche und ihre Anhänger zu desavouieren. Vielmehr präsentierte der Grazer Jurist Fritz Byloff († 1940) eine der ersten juristischen Dissertationen über das Crimen magiae. Ihr folgten mehrere Arbeiten auch zu volkskundlichen Aspekten des Zauberwesens sowie eine Gesamtdarstellung zu den Hexenprozessen in den österreichischen Alpenländern[31]. Byloff, der in dem bayerischen Historiker Siegmund Riezler[32] († 1927) sein Vorbild sah, verband so eine rechtsgeschichtliche Herangehensweise auch mit neuen Ergebnissen, welche der Begründer der Schweizer Volkskunde, Eduard Hoffmann-Krayer († 1936)[33], erzielt hatte. Letzterer hatte nämlich dezidiert darauf aufmerksam gemacht, dass es neben den gelehrten dämonologischen Vorstellungen vom Luftflug, vom Teufelspakt und vom Hexensabbat, tatsächlich Magiepraktiken mit schädigenden Absichten gegeben hat, angewandt von einfachen wie von gebildeten Leute. Deshalb hatte der Schweizer Volkskundler den Kern des „rationalistischen Paradigmas“, nach dem das Hexereidelikt ein reiner gelehrter „Wahn“ gewesen sei, scharf zurückgewiesen. In Rezeption dieses neuen Ansatzes vermied Byloff die emotionalen Parteinahmen und Schuldzuweisungen der Soldan-Anhänger und fand so einen Mittelweg zwischen dem „romantischen“ und dem „rationalistischen“ Deutungsmuster.
Wenn man glaubt, dass die landes- und regionalgeschichtliche Erforschung der Hexenverfolgungen einen Impuls durch die Anfang des 20. Jahrhunderts gegründeten Institute für Landesgeschichte in Bonn (mit einem Schwerpunkt auf der Sprachforschung), Leipzig (mit einem Schwerpunkt auf der Historischen Geographie) oder Innsbruck (mit einem Schwerpunkt auf der Volkskunde[34]) erfahren hätte, so wird man enttäuscht; denn die dort betriebene landesgeschichtliche Forschung blieb auf das Mittelalter ausgerichtet – und stand (zumindest was Bonn und Leipzig anging) – eher im Dienst einer politisch instrumentalisierten Kulturraumforschung, welche unter der NS-Diktatur zu einer fatalen Verstrickung der beteiligten Landeshistoriker in die Grenzland-Forschung führte[35].
Gleichwohl ruhte die Erforschung der Hexenjagden keineswegs; vielmehr begannen sich nationalsozialistische Kreise nun von ganz anderen Richtungen her dem Phänomen zu nähern, wobei alle sich als Anhänger des „romantischen Paradigmas“ entpuppten, gingen sie doch ebenfalls von einer tatsächlichen Existenz der „Hexen“ aus. Während zunächst noch der Germanist Otto Höfler († 1987) die völlig aus der Luft gegriffene, politisch aber gut zu instrumentalisierende These vertrat, germanische Männerbünde hätten zum Schutz der Gemeinschaft „kulturzerstörende Frauen“, nämlich die Hexen, aufgespürt und getötet – und Reste dieses germanischen Brauchtums könne man heute noch in Sagenstoffen wie der Wilden Jagd oder in Maskenumzügen wie dem alpenländischen Perchtenlauf erkennen[36], wurde 1935 von Heinrich Himmler († 1945) eine Arbeitsgruppe mit dem Decknamen H-Sonderauftrag (das heißt Hexen-Sonderauftrag) gegründet, welche systematisch Daten zu den historischen Hexenverfolgungen im gesamten deutschen Sprachraum sammeln sollte[37]. Bis 1944 suchten die elf Mitarbeiter, allesamt Mitglieder der SS, in über 260 Archiven und Bibliotheken nach den Spuren der Hexenprozesse, werteten dabei sowohl Akten als auch Forschungsliteratur aus und füllten mehr als 33.000 Karteiblätter. Diese „Hexenforscher“ ganz besonderer Couleur gingen dabei stets getarnt zu Werke, gaben sich bei den Archivbesuchen als Heimatforscher, Studenten oder Promovenden aus. Vertreter des Sonderkommandos kamen übrigens auch bis ins damalige Innsbrucker Landesregierungsarchiv[38].
Hinter dieser von Himmler – der sich als Nachkomme der 1629 in Mergentheim hingerichteten Margreth Himbler wähnte – initiierten, groß angelegten Sammeltätigkeit hatte der Versuch gestanden, vermeintlich hieb- und stichfeste Beweise für die Schuld der so genannten jüdisch-christlichen Kirche am angeblich millionenfachen Massenmord, verübt an Trägerinnen germanischen Kulturgutes, zu finden. Wie man sieht, wirkte hier eine fatale Verquickung des romantischen Deutungsmusters mit jener in der Aufklärung erfundenen Zahl von angeblich 9.000.000 ermordeter Hexen nach. Doch war der Ertrag des H-Sonderauftrages gering; denn weder konnte „das Papsttum“ als Drahtzieher hinter den Verfolgungen enttarnt werden, noch ließen sich irgendwelche Spuren germanischer Priesterinnen in den Hexenprozessen finden.
Seriöse landes- und volkskundliche Forschungen zu den historischen Hexenverfolgungen kamen bis 1945 entweder ganz zum Erliegen oder wurden sowohl in Deutschland, in den von ihm besetzten Gebieten als auch in angrenzenden Territorien weiterhin zumeist von nicht an den Universitäten angebundenen Gelehrten geleistet. Hervorzuheben ist in diesem Kontext die bereits 1920 von Franz Junger († 1934) und Ludwig March gegründete landesgeschichtliche Zeitschrift „Der Schlern. Illustrierte Monatshefte für Heimat- und Volkskunde“, wo bereits bis 1938 einige volkskundliche Artikel zum Thema Magie und Zauberglaube erschienen waren. In diesem Publikationsorgan, seit 1976 als „Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde“ etabliert, sollten auch nach seinem Wiedererscheinen ab 1946 wertvolle Beiträge zu den Hexenverfolgungen in Tirol aufgenommen werden[39].
Nach 1945 und bis in die 1970er Jahre hinein waren es zunächst die juristischen Dissertationen, in denen die Erforschung der Hexenverfolgungen und damit auch das „rationalistische“ Paradigma weiterlebten. Trotz höchst mangelhafter regionalhistorischer Aufarbeitung der europäischen Hexenverfolgungen wagte 1969 der Oxforder Historiker Hugh Trevor-Roper († 2003) in seiner Schrift „The European witch-craze in the 16th and 17th century“ eine Gesamtsicht und kam – im Gefolge des „rationalistischen Paradigmas“ - zu dem Schluss, der „Hexenwahn“ sei eine von fanatischen Theologen und Juristen getragene Disziplinierungs- und Unterdrückungskampagne gegen das einfache Volk gewesen. Auch sah er die Keimstätten abergläubischen Denkens in den angeblich rückständigen Bergregionen der Alpen, des Jura, der Vogesen und der Pyrenäen. Seine Ausführungen erhielten schon kaum nach ihrem Erscheinen heftige Kritik[40]; denn inzwischen - von ihm offenbar unbemerkt, obwohl auch von Oxford ausgehend - hatte sich ein tatsächlicher Paradigmenwechsel in der europäischen Hexenforschung angekündigt[41], inspiriert von englischsprachigen Anthropologen und Sozialhistorikern. Interdisziplinarität, das Zusammenspiel von Volkskunde, Sprachforschung, Alltags-, Mentalitäts-, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte wurde postuliert und die „vergleichende Regionalstudie“ zum bedeutendsten Instrumentarium der Hexenforschung erhoben[42].
Nicht dass es diese auf Quellenauswertung und Quellenpräsentation basierenden, im weitesten Sinne kultur- und sozialgeschichtlich angelegten Regionalstudien nicht schon im 19. Jahrhundert gegeben hätte – erinnert sei mit Blick auf die Tiroler Hexenforschung nur an die Arbeit von Ludwig Rapp. Doch während des Kulturkampfes und in den Zeiten der beiden Weltkriege scheint dieses Form der Herangehensweise in Vergessenheit geraten zu sein, zumal ein europäischer und transkontinentaler Forschungszusammenhang, wie er noch zu Zeiten eines Henry Charles Lea und eines Joseph Hansen († 1943) bestanden hatte, zerbrochen war.

Die neue „Heimat“ der modernen Hexenforschung in der Landes- bzw. Regionalgeschichte

Dass gerade beim quellennahen, quellenkritischen, interdisziplinären und kartengestützten Arbeiten durchaus kultur- und landesgeschichtliche Methodik ihre Anwendung findet, blieb (und bleibt) oft ungenannt[43]. Doch wenn auch noch 1992 Vertreter einer um Abgrenzung bemühte Regionalgeschichte die Ergebnisse der modernen Hexenforschung auf ihrem Konto verbuchen wollten[44], so hat doch diese Hexenforschung – zum ersten Mal im übrigen – eine akademische Heimat zumeist an landesgeschichtlichen Lehrstühlen gefunden, wobei sich die klassische, nach 1945 geradezu in die Mediävistik eskapierte geschichtliche Landeskunde, nunmehr dezidiert eines neuzeitlichen Themenschwerpunktes annimmt[45].
Insgesamt organisierte sich nach den 1970er Jahren die internationale Hexenforschung in regionalen Schwerpunkten; entsprechende (zum Teil heute nicht mehr existierende) Gruppen bildeten sich in den Niederlanden, in Österreich, in Ungarn, dann in der Schweiz, in Schottland und in Norwegen sowie in Lemgo und Trier. Als eine Art Dachverband der nationalen wie internationalen Arbeitsgruppen zur Hexenforschung kann der 1985 gegründete Arbeitskreis Interdisziplinäre Hexenforschung (AKIH) gelten, der institutionell an die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und an das Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen (Prof. Dr. Sönke Lorenz) angebunden ist[46]. Mit seinen über 250 Mitgliedern - vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus anderen europäischen Ländern und den USA - vereint der AKIH Fachleute aus der Rechts-, Medizin-, Pharmazie-, Sozial-, Wirtschafts- und Kunstgeschichte, der allgemeinen Geistes- und Landesgeschichte, der historischen Anthropologie, Ethnologie, Theologie und Religionswissenschaft. Auf den jährlichen Arbeitstreffen in Stuttgart-Hohenheim und den regelmäßigen großen öffentlichen Akademie-Tagungen in Weingarten werden aktuelle Trends der Hexenforschung diskutiert sowie laufende Arbeiten und Projekte vorgestellt. Tagungsbeiträge und Dissertationen veröffentlichen die Mitglieder in der wissenschaftlichen Buchreihe "Hexenforschung", in der bislang elf Bände erschienen sind[47]. Große Breitenwirkung entfaltete die vom Institut für geschichtliche Landeskunde in Tübingen 1994 maßgeblich mitgestaltete badische Landesausstellung „Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten“, deren schnell vergriffener Katalog 2004 in Überarbeitung wieder aufgelegt wurde[48]. Als Informationsplattform und Diskussionsforum dient der internationalen Hexenforschung die Mailingliste „Hexenforschung“, straff und kompetent moderiert von Klaus Graf, der bereits am Aufsatzband zur badischen Landesausstellung des Jahre 1994 mitgearbeitet hatte[49].
Ureigenste Aufgabe der Landesgeschichte bleibt es, entsprechende Quellen zu edieren und aufbereitet der Fachwelt wie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen; noch viel zu wenig hat sich hier mit Blick auf das hochinteressante Material der Hexenprozessprotokolle und verwandten Zeugnisse getan – dies ist zumeist jedoch meist nicht die Schuld der Hexenforscher, sondern die der Drittmittelverweigerer[50]. Schon bis in das Jahr 1984 reichen deshalb die Bemühungen von Heide Dienst, Professorin für Österreichische Geschichte an der Universität Wien, die Zauberei- und Hexenprozesse in Österreich unter Einschluss des gesamten Landes Tirol mithilfe einer Gruppe von Studierenden zu edieren und zu analysieren[51]. Stützen konnte sie sich dabei auf die materialreiche, chronologische Bestandsaufnahme des volkskundlich so interessierten Rechtshistorikers Fritz Byloff. Leider wurde das auch für Tirol so wichtige Projekt nur bis 1996 vom FWF gefördert. Auf Initiative von Heide Dienst ging ebenfalls die Gründung des Österreichischen Arbeitskreises für interdisziplinäre Hexen- und Magieforschung zurück, welcher vom 21. bis 24. September 2006 in Wien eine Tagung zu „Hexenforschung im Vergleich: Österreichische (habsburgische) Länder“ veranstaltet hat, wo verdiente Hexenforscher wie Heide Dienst selbst und Manfred Tschaikner auch zu den Tiroler Phänomenen gesprochen haben. Es kann nicht überraschen, dass Heide Dienst und Mitglieder ihrer Arbeitsgruppe bereits an der großen Steirischen Landesausstellung des Jahres 1987 auf der Riegersburg zum Thema Hexen und Zauberer beteiligt waren[52].
Leicht in Vergessenheit gerät, dass auch der 2003 viel zu früh verstorbene Richard van Dülmen an der Universität des Saarlandes (Saarbrücken) eine Professur für die Geschichte der Frühen Neuzeit mit besonderer Berücksichtigung der Landesgeschichte[53] innegehabt hatte, wobei van Dülmen besonders die Ansätze der historischen Anthropologie mit der Methodik der „klassischen“ Landesgeschichte zu verbinden vermochte. Deutlich wird dies nicht nur an der von ihm initiierten Saarbrücker Hexenausstellung des Jahres 1987[54], sondern auch und besonders an den einschlägigen Arbeiten seiner Schüler Eva Labouvie und Wolfgang Behringer, der im übrigen sein Nachfolger in Saarbrücken wurde.
Im Jahr 1987 gründete Franz Irsigler, der den Lehrstuhl für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Trier innehat, gemeinsam mit dem damaligen Direktor der Stadtbibliothek Trier, Prof. Gunther Franz, die grenzüberschreitende "Arbeitsgemeinschaft Hexenprozesse im Trierer Land und in Luxemburg", welche sich mit den exemplarischen, schweren und quellenmäßig außerordentlich gut dokumentierten Hexenverfolgungen im Westen des Reiches befasst. Zwei am Lehrstuhl Geschichtliche Landeskunde angesiedelte, zwischen 1997 und 2002 sowie 2003 bis 2008 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Stiftung Stadt Wittlich geförderte Projekte zur Erforschung der Zauberei- und Hexenprozesse im Maas-Rhein-Mosel-Raum waren und sind personell eng mit der Arbeitsgemeinschaft verknüpft[55]. Gerade in der Konzeption des derzeitige Grenzen nach Frankreich, Luxemburg und Belgien überschreitenden Untersuchungsraumes blieb Franz Irsigler der Methodik und dem Anspruch einer regional bezogenen, multidisziplinären Landesgeschichte[56] - ich möchte ergänzen - im europäischen Kontext verpflichtet.
Neben der wissenschaftlichen Erforschung der Hexenverfolgungen im Untersuchungsraum, deren Ergebnisse in der Reihe "Trierer Hexenprozesse – Quellen und Darstellungen" bislang in acht Bänden publiziert wurden[57], legen die Beteiligten des Trierer Forschungsschwerpunktes großen Wert auf öffentliche Breitenwirkung und die Popularisierung korrekter Forschungsergebnisse, wozu die enge Vernetzung mit lokalen wie überregionalen Kultur- und Bildungseinrichtungen (auch in Luxemburg) sowie Tagungen, die wissenschaftliche Beratung und Unterstützung von drei Ausstellungen und ein Dokumentarfilm gehören. Der Katalog der großen Ausstellung „Hexenwahn. Ängste der Neuzeit“, welche zunächst im Jahr 2000 unter dem Titel „Incubi – Succubi. Hexen und ihre Henker bis heute / Incubi Succubi. Les sorcières et leurs bourreaux, hier et aujourd’hui en Luxembourg“ im Musée d’Histoire de la Ville de Luxembourg und dann 2002 im Deutschen Historischen Museum in Berlin gezeigt wurde, ist permanent im Internet verfügbar[58]. Ähnlich wie in Wien, sind auch in Trier die Pläne für eine raschere Abfolge einschlägiger Editionen an der Mittelknappheit wenn nicht ganz gescheitert, so doch erheblich verzögert.
Im April 2001 wurde schließlich der "Arbeitskreis für Historische Hexen- und Kriminalitätsforschung" an den Universitäten Halle und Hamburg gegründet, der einschlägige Forschungsdefizite im weitgefassten norddeutschen Raum beilegen, bereits laufende Projekte bündeln und zu neuen Forschungen anregen möchte. Auch dieser Kreis bietet Arbeitstreffen sowie Fachtagungen an und verfügt über eine eigene Publikationsreihe. Sein Gründungsmitglied, Katrin Moeller, betreut darüber hinaus vorzüglich-kompetent das Internetportal „historicum.net – Hexenforschung“, wo Einführungen, Lexikonartikel, e-texte (Aufsätze, Quellen), Links, Tagungs- und Forschungsberichte stets auf neuestem Stand zur Verfügung gestellt werden.
Auch in der Schweiz war eine Gruppe von Hexenforschern sehr erfolgreich, 1990 gegründet am Seminar für mittelalterliche Geschichte an der Universität Lausanne. Während die Editionsarbeiten in Wien und in Trier aus verschiedenen Gründen (hoffentlich vorübergehend) zum erliegen kamen, konnte hier im Rahmen von Lizentiatsarbeiten ein geschlossener Bestand spätmittelalterlicher Hexenprozesse (zum größten Teil in lateinischer Sprache) aus dem Staatsarchiv des Kantons Waadt in den Cahiers Lausannois d'histore médiévale zuverlässig ediert und kommentiert werden. Außerdem legte man auch eine kommentierte Edition früher, im Umfeld der Schweizer Waldenser- und Hexenprozesse entstandener Texte des gelehrten Hexereidiskurses vor. Seit 1989 bis jetzt (Stand Januar 2008) wurden inzwischen acht Bände veröffentlicht, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds.

Ausblick: Mögliche Aufgaben einer landes- bzw. regionalgeschichtlich orientierten Hexenforschung

Wie diese kurze und selektive Tour d’Horizon auf den Wegen und Irrwegen der Hexenforschung seit dem 18. Jahrhundert gezeigt hat, wirkten Arbeiten, welche durchaus im Sinne der Definition von Franz Irsigler einer Landesgeschichte als regional bestimmter multidisziplinärer Wissenschaft verpflichtet blieben (und weiterhin sind), immer wieder inspirierend für die Hexenforschung. Dies mag zum einen darin begründet sein, dass das komplexe Phänomen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen nicht allein aus einer makrohistorischen, allgemein- oder geistesgeschichtlichen Perspektive zu bewältigen ist und dass immer wieder die interdisziplinäre und quellennah gestützte Analyse von Verfolgungen in einzelnen Regionen und deren mikrohistorisch exakte Aufarbeitung nötig sind. Zum anderen hat die regional bezogene, vergleichend arbeitende Landesgeschichte ganz sicher wichtige Serviceleistungen zu übernehmen, dient sie doch geradezu als Scharnier zwischen der universitär geleisteten Forschung und den an der Geschichte ihrer Heimat, ihres Landes interessierten so genannten Laien. Gerade was das von vielen Klischees, Vorurteilen und Vermarktungsinteressen belastete Thema der Hexenverfolgungen betrifft, müssen Vertreter der landes- und regionalgeschichtlichen Forschung als Vermittler arbeiten, trügerische Geschichtsbilder klären und korrigieren, aber auch bei der Erinnerungskultur vor Ort helfen[59].
Gerade in Gebieten, die heute von Nationalgrenzen durchzogen werden, sollte die landes- und regionalgeschichtliche Forschung darüber hinaus nationenübergreifend organisiert werden. Dies erscheint umso wichtiger, da Brücken- und Transferregionen wie das zwischen Reich und Frankreich liegende Luxemburg, wie Lothringen, Burgund, die Schweiz oder Südtirol zum Schauplatz intensiver Hexenjagden werden konnten. Grundsätzlich bedeutet die Beschäftigung mit der Geschichte der Hexenverfolgungen nicht die Beschäftigung mit einem abseitigen Kuriosum vergangener Zeiten. Vielmehr ist es möglich, unter anderem einen tiefgehenden Zugang zur Vorstellungswelt, zur Mentalität, zur Alltagskultur damaliger Menschen zu finden. Erst die Ermittlung regionaler Vorgänge kann so den notwendigen Hintergrund bilden für die generelle Erforschung der europäischen Hexenverfolgungen. Sehr gute Anfänge sind gemacht, doch bleibt mit beispielsweise Oscar di Simplicio weiter zu beklagen, dass die italienischen Hexenjagden in ihrer Gesamtheit noch völlig unzureichend erforscht sind, und dass auch die einschlägigen Vorkommnisse im französisch-deutschen Grenzraum – man denke nur an das Elsass[60] – noch einer gründlichen Analyse harren. In diesem Kontext wäre es wünschenswert, wenn die Hexenforschung in Frankreich und in Italien im Sinne einer „histoire régionale comparative“ oder einer „storia comparata delle regioni“[61] neue Impulse erhielte. In diesem Sinne müssten – nachdem Hansjörg Rabanser mit seiner Dissertation eine Basis gelegt hat – auch die Hexenverfolgungen in Tirol unter Anwendung der neuesten Methodik Ländergrenzen überschreitend noch tiefergehender analysiert werden.
Schlussendlich sollte die universitär verankerte, mit den jeweiligen lokalen Kultur- und Bildungseinrichtungen vernetzte Landes- und Regionalgeschichte keineswegs als „heimatliche Orchidee“ gelten, wie am 5. September 2007 unter dem Titel „Wie steht es um die Landesgeschichte?“ der Feuilletonist der FAZ rhetorisch-blumig bemerkte, sondern sie stellt in einem Europa ohne Grenzen womöglich die einzige Alternative dar zu einer rein nationalstaatlich ausgerichteten allgemeinen Geschichte.

Notes

* Universität Trier

[1] Überblicke zur Forschungslandschaft „Hexenverfolgungen“ bieten: M. Tschaikner, Grundzüge der Geschichte und Methodik der Hexenforschung veranschaulicht anhand von Beispielen aus Vorarlberg und Liechtenstein, «Forschungen zur Rechtsarchäologie und rechtlichen Volkskunde» 19 (2001), 127-48; G. Gersmann, K. Graf (Hg), Hexenforschung aktuell, «zeitenblicke – online journal für die Geschichtswissenschaften» 1 (2002) <http://www.zeitenblicke.de/2002/01/inhalt.html>; W. Behringer, Geschichte der Hexenforschung, in: S. Lorenz, J.M. Schmidt (Hg.), Wider alle Hexerei und Teufelswerk. Die europäischen Hexenverfolgung und ihre Auswirkungen auf Südwestdeutschland, Tübingen, Thorbecke, 2004, 485-688; J. Eichhorn, Geschichtswissenschaft zwischen Tradition und Innovation. Diskurse, Institutionen und Machtstrukturen der bundesdeutschen Frühneuzeitforschung, Göttingen, V. und R. Unipress, 2006, 251-310; R. Voltmer, Netzwerk, Denkkollektiv oder Dschungel? Moderne Hexenforschung zwischen „global history“ und Regionalgeschichte, Populärhistorie und Grundlagenforschung, «Zeitschrift für Historische Forschung» 34 (2007), 467-507. An dieser Stelle sei herzlich Manfred Tschaikner für wichtige Hinweise gedankt

[2] Vgl. dazu H. Dienst, Hexenprozesse im Landgericht Völs im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts, in: Völs am Schlern 888-1988 – Ein Gemeindebuch, bearb. v. J. Nössing, Völs am Schlern 1988, 249-56, sowie E. Perkmann, Die Völser Hexenprozesse 1506 und 1510. Hintergründe – Recherchen – Schlussfolgerungen. Gedenkschrift „500 Jahre Hexenprozesse“, gewidmet den unschuldig gerichteten Völser Frauen und Männern,Gemeinde Völs am Schlern / Comune di Fiè allo Sciliar, 2006. Perkmann geht davon aus, dass die Verfahren eine Verfolgung nach sich zogen, der circa 28 Frauen und zwei Männer zum Opfer gefallen sind; vgl. Ders., Hexenprozesse, 49, Ders., Processi, 33.

[3] Vgl. zusammenfassend: R. Voltmer, Der Hebammen-Mythos oder von den Chancen, Ergebnisse der modernen Hexenforschung zu popularisieren, «Geschichte in Wissenschaft und Unterricht», 1 (2005), 20-30; Dies., Vom getrübten Blick auf die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen – Versuch einer Klärung, «Gnostika. Zeitschrift für Wissenschaft und Esoterik» 11 (2006), 45-58, sowie J. Goodare, Misconceptions about the witch hunts, in: The Encyclopedia of Witchcraft. The Western Tradition, hg. v. R.M. Golden, Santa Barbara, ABC-Clio, 2006, IV:770-73.

[4] L. Kirchhof, Lute Music for Witches and Alchemists, sony vivarte, Berlin, Sony Music, 2000, Booklet, 17.

[5] L. Rapp, Die Hexenprozesse und ihre Gegner in Tirol, 2. Auflage, Innsbruck, Wagner, 1890; N. Grass, Zur Stellung Tirols in der Rechtsgeschichte, in: K. Ebert (Hg.), Festschrift Hermann Baltl, Innsbruck, Wagner, 1978, 229-74, hier 256-69; H. Rabanser, Hexenwahn. Schicksale und Hintergründe. Die Tiroler Hexenprozesse, Innsbruck-Wien, Haymon, 2006, 78-82.

[6] Vgl. einführend und zusammenfassend: W. Behringer, Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, 3. Aufl., München, Beck, 2002; J. Dillinger, Hexen und Magie, Frankfurt a.M., Campus-Verl., 2007; W. Rummel, R. Voltmer, Hexen und Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit, Darmstadt, Wissenschaftl. Buchgesellaschaft, 2008.

[7] E.M. Kern, Tyrol, county of, in: Encyclopedia (wie Anm. 3), 1137f.

[8] Vgl. z. B.I. Pfaundler, Über die Hexenprozesse des Mittelalters mit spezieller Beziehung auf Tirol, Innsbruck, Pfaundler, 1843; L. Rapp, Hexenprozesse; V. Schoißwohl, Die Prozesse gegen drei Hexenmeister aus Südtirol im 17. Jahrhundert, Phil. Diss. masch, Innsbruck, 1972; die einschlägigen Aufsätze von H. Dienst (vgl. Anm. 2 und 51) und M. Tschaikner (vgl. Anm. 1 und 39); H. Benedikter, Hexen und Zauberer in Tirol, Bozen, Athesia, 2000; S. Weiss, Claudia de’ Medici. Eine italienische Prinzessin als Landesfürstin von Tirol (1604-1648), Innsbruck-Wien, Tyrolia, 2004, 189-216, sowie C. und S. Paganini, Teufelsbund und Hexentanz. Hexenwahn und Hexenjagd in Österreich: Hexenprozesse in Nord-, Ost- und Südtirol, Innsbruck, Berenkamp, 2006, und jetzt H. Rabanser, Verfahren wegen Hexerei und Zauberei. Prozesspraxis, Deliktbewertung und Gerichtssprache in Tiroler Hexen- und Zaubereiprozessen, «Geschichte und Region / Storia e regione», 16 (2007), 30-52.

[9] Vgl. H. Rabanser, Hexenwahn, 193-301, mit einer Auflistung der gefundenen Prozesse, wobei er alle vor Gericht verhandelten magischen Delikte, auch jenseits der erst nach 1400 herausgebildeten Vorstellung von einem kumulativen Hexereidelikt, zusammenfasst. Leider finden sich in dieser Liste auch Fälle, die nichts mit Magie zu tun haben; vgl. zu seiner Arbeit die Rezension von Manfred Tschaikner, «Der Schlern», 81 (2007), 86-93, sowie Voltmer, Netzwerk (wie Anm. 1), 489-491.

[10] Vgl. ebd., 108-10.

[11] O. Di Simplicio, Italy, in: Encyclopedia (wie Anm. 3), 574-79.

[12] Ebd., 577; anders H. Rabanser, Hexenwahn, 100-105.

[13] I.V. Zingerle, Barbara Pachlerin und Mathias Perger, Innsbruck, Wagner, 1858; O. von Plawenn, Von den Sarntaler Hexen, «Der Schlern» 48 (1948), 94-99; B. Mahlknecht, Barbara Pächlerin, die Sarntaler Hexe, auf dem Scheiterhaufen hingerichtet am 28. 8. 1540, «Der Schlern» 50 (1950), 511-30; H. Rabanser, Sagenhafte Hexer und ihre historische Fassbarkeit: „Kachler Hans“, „Pfeifer Huisele“, „Maiser Student“, «Tiroler Heimat» 69 (2005), 177-98.

[14] Vgl. bes. W. Behringer, Geschichte, 498-512.

[15] Ch. Thomasius, Vom Laster der Zauberei. Über die Hexenprozesse. De Crimine Magiae. Processus Inquisitorii contra Sagas, hg. v. R. Lieberwerth, München, 1987, 167.

[16] Ch. Thomasius, Vom Laster der Zauberei, 61.

[17] Ch. Thomasius, Über die Hexenprozesse, 174f.

[18] W. Behringer, Neun Millionen Hexen. Entstehung, Tradition und Kritik eines populären Mythos,  «Geschichte in Wissenschaft und Unterricht» 49 (1998), 664-85.

[19] Vgl. jetzt W. Hauser, Der Justizmord an Anna Göldi. Neue Recherchen zum letzten Hexenprozess in Europa, Zürich, Limmat, 2007

[20] Vgl. W. Behringer, Geschichte (wie Anm. 1), 522f. mit Anm. 320.

[21] Vgl. ebd., S. 516-519.

[22] M. Tschaikner, Grundzüge, 131.

[23] Vgl. W. Behringer, Geschichte, 540.

[24] Zit. nach H. Rabanser, Hexe, 178, Anm. 8.

[25] So M. Tschaikner, Grundzüge, 133.

[26] Vgl. W. Behringer, Geschichte, 519f.

[27] Vgl. L. Rapp, Hexenprozesse, sowie dazu und dem folgenden W. Behringer, Geschichte, 540.

[28] L. Rapp, Hexenprozesse, 145-70.

[29] H.Ch. Lea, Materials Toward a History of Witchcraft, Philadelphia, 1939, III:1088-1112; zu Lea vgl. W. Behringer, Geschichte, 547.

[30] Vgl. ebd., 528-31.

[31] Vgl. nur F. Byloff, Das Verbrechen der Zauberei (crimen magiae). Ein Beitrag zur Geschichte der Strafrechtspflege in der Steiermark, Graz, Leuschner und Lubenski, 1902; Ders., Volkskundliches aus Strafprozessen der österreichischen Alpenländer mit besonderer Berücksichtigung der Zauberei- und Hexenprozese 1455 bis 1850, Berlin-Leipzig, Gruyter, 1929; Ders., Hexenglaube und Hexenverfolgung in den österreichischen Alpenländern, Berlin-Leipzig, Gruyter, 1934.

[32] Vgl. S. Riezler, Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Im Lichte der allgemeinen Entwicklung dargestellt, Stuttgart, Cotta, 1896, sowie dazu W. Behringer, Geschichte, 535f.

[33] Vgl. ebd., 541f.

[34] Nach einigen Umbenennungen seit 1999 „Institut für europäische Ethnologie und Volkskunde“, seit 2004 mit dem Institut für Geschichte fusioniert zum „Institut für Geschichte und Ethnologie“; vgl. http://www.uibk.ac.at/volkskunde/institut/geschichte/. In diesem Kontext sei erinnert an das umfangreiche Werk von L. Petzoldt (http://www.uibk.ac.at/volkskunde/institut/mitarbeiter/petzoldt.html), der - inzwischen emeriert – seit 1985 als Ordinarius für europäische Ethnologie und Volkskunde an der Universität Innsbruck lehrte. Petzoldt bleibt in der Magieforschung tätig und betreut zur Zeit ein Projekt zu einem „Dämonologischen Lexikon“ (http://science.orf.at/science/news/135059).

[35] Zur Entwicklung der Landesgeschichte bzw. Geschichtlichen Landeskunde vgl. bes. M. Werner, Zwischen politischer Begrenzung undmethodischer Offenheit. Wege und Stationen deutscher Landesgeschichtsforschung im 20. Jahrhundert, in: Die deutschsprachige Mediävistik im 20. Jahrhundert, Ostfildern, 2005, 251-364; M. Werner, Die deutsche Landesgeschichtsforschung im 20. Jahrhundert. Aufbrüche, Umbrüche, Perspektiven, in: M. Groten, A. Rutz (Hg.), Rheinisches Landesgeschichte an der Universität Bonn. Traditionen – Entwicklungen – Perspektiven, , Göttingen V&R Unipress, 2007, 157-78.

[36] Vgl. W. Behringer, Geschichte, 562-65.

[37] Vgl. dazu die Beiträge in: S. Lorenz u.a. (Hg.), Himmlers Hexenkartothek. Das Interesse des Nationalsozialismus an der Hexenverfolgung, Bielefeld, Verl. Für Regionalgeschichte, 1999; W. Behringer, Geschichte, 566-69; W. Rummel, Nazi interest in witch persecutions, in: Encyclopedia (wie Anm. 3), 806-808.

[38] W. Behringer, NS-Historiker und Archivbeamte im Kampf mit den Quellen. Das Beispiel der Archive Bayerns, in: Himmlers Hexenkartothek, 165-76, hier 173.

[39] Vgl. nur O. Zingerle, Allerlei heil- und zauberkräftige Dinge, «Der Schlern» 3 (1922), 266-70; F. Ploner, Etwas über Zauber und Aberglaube, «Der Schlern» 4 (1923), 229-32; P. Tschurtschenthaler, Das Pfaffenköchin- oder Leonhardi-Eisen, «Der Schlern» 11 (1930), 410-13; H. Tiefenbrunner, Über Hexenwesen und Hexenprozesse am ehemaligen Gericht Kurtatsch, «Der Schlern» 67 (1993), 300-17; M. Tschaikner, Die heiligen drei Jungfrauen im Kampf gegen Männer – Strategien weiblicher Gegenwehr in den Geständnissen der Ursula Kohlgruberin, «Der Schlern» 77 (2003), 37-41, sowie die entsprechenden Literaturangaben in Anm. 13.

[40] Zu Trevor-Roper und seinem Werk vgl. W. Behringer, Geschichte, 591; R. Briggs, Trevor-Roper, Hugh (Lord Dacre of Glanton, 1914-2003), in: Encyclopedia (wie Anm. 3), 1132f., sowie O. Di Simplicio, Mountains and the origins of witchcraft, in: ebd., 790-92.

[41] Vgl. W. Behringer, Geschichte, 580-96.

[42] Vgl. zusammenfassend W. Rummel, R. Voltmer, Hexen, 84f.

[43] Keine Erwähnung als landesgeschichtliches Betätigungsfeld findet die Hexenforschung im Abschnitt „Verfassungs- und Ständegeschichte, Verwaltungs- und Justizgeschichte“ bei S. Laux, Rheinische Frühneuzeitforschung. Traditionen – Stand – Perspektiven, in: Landesgeschichte (wie Anm. 35), 197-231. Immerhin hatte bereits Maximilian Lanzinner in seinem Überblick zum Stand der frühneuzeitlich orientierten Landesgeschichte Altbayerns die Dissertation von W. Behringer unter dem Stichwort „Lebensformen“ eindeutig als regional- bzw. landesgeschichtliche Arbeit im besten Sinne eingestuft; vgl. M. Lanzinner, Patient Landesgeschichte? Neuere Forschungen zur Geschichte (Alt-)Bayerns in der Frühen Neuzeit, hg. v. W. Buchholz, Paderborn, 1998, 133-44, hier 139f.

[44] A. Flügel, Der Ort der Landesgeschichte in der neuzeitlichen Geschichte, in: S. Brakensiek u.a. (Hg.), Kultur und Staat in der Provinz. Perspektiven und Erträge der Regionalgeschichte, Bielefeld, 1992, 25f.

[45] Vgl. dazu bes. J. Eichhorn, Geschichtswissenschaft, 279-86. Dieses Faktum hat die internationale Tagung „Europäische Hexenforschung und Landesgeschichte – Methoden, Regionen, Vergleiche“, 14.-16. September 2007, in Trier in den Blick genommen.

[46] Vgl. für das Folgende S. Lorenz, D.R. Bauer, „Hexenforschung“ eine Einführung zur Reihe, in: Das Ende der Hexenverfolgung, hg. v. dens., Stuttgart 1995, IX-XVI.

[47] Eine Liste der Bände kann unter der Rubrik „Veröffentlichungen“ auf der homepage des AKIH (http://www.uni-tuebingen.de/ifgl/akih/akih.htm) eingesehen werden.

[48] Vgl. Wider alle Hexerei und Teufelswerk (wie Anm. 1).

[49] Kostenlose Anmeldung bei Klaus Graf (klaus.graf@geschichte.uni-freiburg.de). Graf setzt sich inbesondere für die Bereitstellung von Texten und Editionen im Internet (open access) ein; vgl. K. Graf, Edition und Open Access, in: B. Merta u.a. (Hg.), Vom Nutzen des Edierens, Akten des internationalen Kongresses zum 150-jährigen Bestehen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Wien, 3.-5. Juni 2004, Wien, Oldenbourg, 2005, 197-203.

[50] Vgl. R. Voltmer, Kontextualisieren, exemplifizieren, popularisieren: Gedanken zur Edition landes- und regionalgeschichtlicher Quellen für universitäre Lehre, Schulunterricht und Kulturbetrieb, in: Vom Nutzen des Edierens, 383-96.

[51] Vgl. H. Dienst, Vom Sinn und Nutzen multidisziplinärer Auswertung von Zaubereiprozeßakten. Zur Entstehung einer diesbezüglichen Datenbank in Österreich, «Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung» 100 (1992), 354-75; Dies., Entwicklung, Stand und Probleme der Textaufnahme von österreichischen Zaubereiprozeßakten, in: G. Franz, F. Irsigler (Hg.), Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung, Trier, 1998, 53-68. Vgl. jetzt auch M. Scheutz, Magie- und Hexereibelege im heutigen Oberösterreich 1546-1803, in: Dems u.a. (Hg.), Räuber, Mörder, Teufelsbrüder. Die Kapergerbande 1649-1660 im oberösterreichischen Alpenvorland, Linz, 2008, 305-333.

[52] Aufsatz- und Katalogband herausgegeben von Valentinitsch: H. Valentinitsch (Hg.), Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark, Graz-Wien, 1987.

[53] So laut Protokoll der offiziellen Gedenkfeier zum Tode Richard van Dülmens; vgl. http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/93172/.

[54] Vgl. den Katalog: Hexenwelten. Magie und Imagination, hg. v. R. van Dülmen, Frankfurt a.M., Fischer, 1987.

[55] Vgl. dazu R. Voltmer, Ein Zwischenbericht zum Forschungsschwerpunkt "Frühneuzeitliche Hexenverfolgungen" an der Universität Trier, der Stadtbibliothek sowie dem Stadtarchiv Trier und seine Förderung durch die Stiftung Stadt Wittlich, «Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich», 2004, 90-93, sowie dies., Hexenverfolgungen im Maas-Rhein-Mosel-Raum - Ergebnisse und Perspektiven, in: F. Irsingler (Hg.), Zwischen Maas und Rhein – Beziehungen, Begegnungen und Konflikte in einem europäischen Kernraum von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert. Versuch einer Bilanz, Trier, 2006, 153-87.

[56] Vgl. nur F. Irsigler, Landesgeschichte als regional bestimmte multidisziplinäre Wissenschaft, in: L. Enders, K. Neitmann (Hg.), Brandenburgische Landesgeschichte heute, Postdam, Verl. Für Berlin-Brandenburg, 1999, 9-22, sowie F. Irsigler, Zentrum, Grenze und Achse als elemente einer historischen Raumtypologie, in: Zwischen Maas und Rhein, 11-26.

[59] Vgl. nur die Beiträge im Themenheft „Hexenverfolgung“, «Geschichte in Wissenschaft und Unterricht» 5 (2005), sowie E. Münster-Schröer, Hexenverfolgung und kein Vergessen? Wirklichkeit und Möglichkeit von Erinnerung und Gedenken im Schatten des Holocaust, in: Realität und Mythos, 295-312.

[60] W. Monter, Alsace, in: Encyclopedia (wie Anm. 3), 31f.

[61] Vgl. grundlegend F. Irsigler, Zu den gemeinsamen Wurzeln von „histoire régionale comparative“ und „vergleichender Landesgeschichte“ in Frankreich und Deutschland, in: H. Atsma, A. Burguière (éds.), Marc Bloch aujoud’hui. Histoire comparée et sciences sociales, Paris, EHESS, 1990, 73-85, sowie R. Stauber, Regionalgeschichte versus Landesgeschichte? Entwicklung und Bewertung von Konzepten der Erforschung von Geschichte in kleinen Räumen, «Geschichte und Region / Storia e regione» 3 (1994), 227-60.